Mehr Beteiligungsgerechtigkeit für Familien
KDFB fordert neue Kultur der Familienfreundlichkeit
Köln, 31.3.1999
Viele Jahre lang war es für FamilienpolitikerInnen schwer, mit
ihren Sorgen und Anliegen öffentlich Gehör zu finden. Das habe
sich erfreulicherweise geändert, so Dr. Ursula Hansen,
Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Es
sei nun geradezu ein Wettstreit ausgebrochen, bei dem es darauf
anzukommen scheine, mit Ideen möglichst schnell einen
"Jetstream" zu erwischen. Insbesondere unter den Überschriften
Erziehungs- oder Familiengehalt würde für neue Konzepte
geworben, die sich aber dem gründlichen Vergleich mit den
gewachsenen differenzierten Angeboten der Familienpolitik noch
stellen müßten. Laut Hansen läßt sich für den Frauenbund der
aktuelle familienpolitische Handlungsbedarf in drei Punkten
zusammenfassen:
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Es ist vorrangig, den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts
vom Januar dieses Jahres politisch umzusetzen. Es geht dabei
darum, den Familien endlich steuerlich nicht mehr wegzunehmen,
als erlaubt. Abbau von Steuerungerechtigkeit ist
Grundvoraussetzung einer glaubwürdigen Familienpolitik. Wer das
steuerpolitische Instrumentarium entsprechend gebrauche und z.B.
Modelle negativer Einkommensteuer mit in den Blick nehme, könne
vermeiden, den Familien mit der einen Hand zu nehmen, um ihnen
mit der anderen zu geben.
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Angesichts der gesellschaftlichen
Realitäten steigende Frauenerwerbsquote, zurückgehende
Kinderzahlen, hohe Anforderungen an berufliche Mobilität und
Flexibilität von Eltern kommt dem Erhalt und Ausbau eines
zuverlässigen, quantitativ und qualitativ hochwertigen Angebots
von Kinderbetreuungseinrichtungen zum Wohle der Kinder
entscheidende Bedeutung zu. Dies hat im vergangenen Jahr auch
der 10.Kinder- und Jugendbericht hervorgehoben. Die
Gewährleistung dieses Angebotes dürfe durch eine Umstellung der
Finanzierungsmodalitäten keinesfalls gefährdet werden, so
Hansen.
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Entscheidend ist es, Familienpolitik nicht
ausschließlich mit dem Geldbeutel zu machen. Wir brauchen eine
neue Kultur der Familienfreundlichkeit. Neben
Steuergerechtigkeit fordert der Frauenbund vor allem mehr
Beteiligungsgerechtigkeit für Familien: Unsere Gesellschaft muß
so organisiert sein, daß eine aktive Partizipation von Eltern in
Politik und Wirtschaft gewährleistet ist. Es kommt darauf an,
Familien als selbständige Leistungsträger der Gesellschaft zu
stärken. Die Einführung eines Familiengehalts, das die Erziehung
der Kinder zu einer für den "Arbeitgeber"öStaat erbrachten
Dienstleistung macht, lasse sich mit diesem Ansatz nur schwer in
Einklang bringen. Im Frauenbund gibt es durchaus Frauen, die
sich von der Jetstream-Idee Erziehungsgehalt faszinieren
lassen. Auf Bundesebene läßt sich unsere Position allerdings
weiterhin als deutliche Distanz beschreiben. Wir wollen
versuchen, in Diskussionsveranstaltungen das Verständnis über
die Handlungsnotwendigkeiten und möglichkeiten einer
Familienpolitik für mehr Beteiligungsgerechtigkeit zu
vertiefen,ö so Dr. Ursula Hansen.
Unser vorrangiges Ziel ist
es, die der Vielfalt familialer Realitäten entsprechende
gewachsene Vielfalt familienpolitischer Leistungen zu erhalten
und auszubauen.
Diese Pressemitteilung wurde am 1. April 1999 vom
Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB),
Bundeszentrale, Kaesenstr. 18,
50677 Köln, Tel.: 0221-314930, Fax: 0221-322954,
veröffentlicht.
Besonderer Dank gilt Frau Eva M. Welskop-Deffaa, die uns diese
Pressemittelung verfügbar gemacht hat.
Für die Richtigkeit der hier abgedruckten Version können
wir keine Gewähr übernehmen und verweisen auf die Pressestelle des
KDFB.