|
Zurück zur Hauptseite der Initative Familie und Beruf |
"Frauen zurück an den Herd" oder die langersehnte Gleichstellung der Familienarbeit
Beim diesjährigen Jahrestreffen in Eringerfeld veranstaltete die Initiative Familie & Beruf im Cusanuswerk eine Podiumsdiskussion unter der Überschrift "Frauen zurück an den Herd" oder die langersehnte Gleichstellung der Familienarbeit: Modelle zum Erziehungsgehalt in der Diskussion. Unter der bewährten Leitung von Reinhild Fliethmann diskutierten Uwe Schummer von den christdemokratischen Arbeitnehmern (CDA), Elisabeth Bußmann vom Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) und Gertrud Martin von der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), Frau Göllner-Kesting von der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD) hatte leider unterwegs eine Autopanne.In ihrer Einführung stellte Reinhild Fliethmann kurz die verschiedenen Modelle zum Erziehungsgehalt vor, die vom sächsischen Familienminister Geissler (CDU), sowie dem Institut für Sozialökologie (Bonn) vorgelegt wurden. Sie wies auf das zunehmende Armutsrisiko für Familien in Deutschland hin, sowie auf die Tatsache, daß die Gesellschaft zwar den Nutzen aus der Erziehungsarbeit ziehe, die Lasten aber privat zu tragen seien. Mit Hinweis auf das Verfassungsgerichtsurteil vom Januar sieht sie die Familienpolitik in Bewegung geraten, da die Verantwortlichen nun unter Zugzwang stehen. Mit der Frage, ob das Erziehungsgehalt hilft, solche Schieflagen zu beseitigen, leitete sie zur Vorstellung der Podiumsteilnehmer über.
Zuerst erhielt Uwe Schummer (CDA) das Wort. Er verwies darauf, daß die Aufwertung der Familien- und Erziehungsarbeit in dieser Legislaturperiode Schwerpunktthema der CDA sei. Er meinte, Erziehungsarbeit sollte nicht nur für "Gotteslohn" geleistet werden. Das Erziehungsgeld, wie es bisher besteht, sei eine "gute Tat", es gelte nun aber, es weiterzuentwickeln. Die Schwächen des Erziehungsgelds sieht er darin, daß damit nur Erwerbs- oder Erziehungsarbeit möglich sei, aber keine Kombination von beiden. (Nach Einwurf eines Zuhörers stimmt dies so ausschließlich nicht. Vielmehr sei bei begrenzter Stundenzahl Berufstätigkeit und Bezug von Erziehungsgeld möglich.) Sind Erwerbsarbeit und Bezug von Erziehungsgeld aber nur als Entweder-Oder möglich, so ist keine Wahlfreiheit, wie vom BVG gefordert, gegeben. Eine weitere Schwäche des Erziehungsgelds sind die zu niedrigen Einkommensgrenzen. Das Erziehungsgehalt hingegen solle unabhängig von Familien- oder Lohnarbeit bezahlt werden, biete also die vom BVG geforderte Wahlfreiheit. Es solle dynamisch gezahlt werden in Anpassung an die Löhne, da das Gehalt immer auch eine Wertmessung für geleistete Arbeit darstellt. Geplant sei, das Erziehungsgehalt bis zum sechsten Lebensjahr eines Kindes wie jedes andere Gehalt auch brutto zu bezahlen. Dies sei aber momentan nicht zu finanzieren. Das Erziehungsgehalt solle in einer Höhe gezahlt werden, so daß die Erziehung von zwei bis drei Kindern ein durchschnittliches Nettoeinkommen ergibt. An Kindergeld und Steuerfreiheit solle nicht geührt werden, sie dienen als Lastenausgleich, Erziehungsgehalt stelle hingegen einen Leistungsausgleich dar. Zum Schluß verwies er noch darauf, daß Familienarbeit Schlüsselqualifikationen vermittle.
Als zweite sprach Elisabeth Bußmann (KAB). Nach ihrer Aussage müsse das Fernziel eine wirtschaftliche Gleichstellung von Familien sein. Die junge Generation hat - oft im Gegensatz zur Elterngeneration - gleiche Bildung und Ausbildung und will dies auch einbringen. Sie kritisierte heftig - auch mit Seitenblick auf Uwe Schummer (CDA) -, daß für Kinder in 16 Jahren CDU-Regierung nichts passiert sei, daß es vielmehr Steuerdiebstahl an Familien gegeben hätte. Ein großes Problem des Erziehungsgehalts sieht sie darin, daß es eine Ökonomisierung in den privaten Raum hineintrage. Und wo bliebe die Qualitätskontrolle? Sie bezweifelte, daß die Subjektförderung (Erziehungsgehalt an die Erziehenden) sinnvoller als die Objektförderung (Hortplätze) sei. Oder käme es dann vielmehr soweit, daß die Existenzsicherung wichtiger würde als ein pädagogisch für sinnvoll erachteter Kindergartenbesuch? Sie meinte auch, daß die Familien trotz Erziehungsgehalt in kindbedingter Armut verbleiben würden.
Als dritte der Runde legte Gertrud Martin (VDP) ihren Standpunkt dar, bevor dann in die Diskussion eingestiegen wurde. Sie wies daraufhin, daß es bisher zwar einen Lastenausgleich für Familien (Kindergeld) gebe, aber keinen Leistungsausgleich. Sie sieht das auch in Zusammenhang mit der Tatsache, daß die Familien selbst keinen Kopf für Familienpolitik hätten, weil sie vollauf mit der Organisation des Alltag beschäftigt sind. Sie haben, ganz im Gegensatz zu den Rentnern, keine eigene Lobby. Weiterhin sprach sie die ungerechte Verteilung bzw. Nichtberücksichtigung von Erziehungsarbeit an. Erziehungsurlaub sei ein schönes Wort für harte Arbeit. Das Erziehungsgehalt stellt für sie eine Vision dar. Allerdings sei es eine Illusion zu glauben, man könne damit Männer an den Herd holen, da diese Arbeit zu undottiert und unattraktiv sei. Für sie bedeutet das Erziehungsgehalt eine Aufwertung der Erziehungsarbeit. Bisher sind viele Frauen in finanzieller Hinsicht auf den guten Willen des Partners angewiesen. Die Trennung bestehe in unserer Gesellschaft aber nicht mehr zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen Kinderlosen und Kinderhabenden.
Nach dieser Vorstellungsrunde galt die erste Frage aus dem Publikum konkreten Gegenvorschlägen zum Erziehungsgehalt. Elisabeth Bußmann antwortete darauf, daß es bisher 16 familienpolitische Einzelleistungen gebe. Diese seien alle erhaltenswert. Ein Punkt ist hier die Finanzierung von Betreuungseinrichtungen, da die außerhäusliche Erziehugnsarbeit ab einem gewissen Alter pädagogisch sinnvoll ist. Die nächste Frage zielte auf die Qualitätssicherung beim Erziehungsgehalt. Uwe Schummer verwies darauf, daß es eigentlich keine (bzw. nur die bisher auch schon zuständigen Stellen) gebe, daß aber Verwahrlosung oft aus finanziellem Druck entstehe. Grundsätzlich bleibt die Frage, ob es sinnvoller ist, die Kindererziehung an die Erwerbsarbeit anzupassen oder ob besser umgekehrt zu verfahren ist. Daraufhin blieben die Antworten recht vage: Uwe Schummer machte auf ein notwendiges Umdenken in der Arbeitswelt aufmerksam, ohne zu konkretisieren, ob das Erziehungsgehalt dafür überhaupt etwas zu leisten vermag. Direkt daran an schloß sich nochmals die konkretisierte Frage, ob die Wahlfreiheit Familie und/oder Beruf nicht viel stärker durch andere als durch finanzielle äußere Rahmenbedingungen eingeschränkt sei, und das Erziehungsgehalt somit zu keiner Änderung verhelfe? Wird durch das Erziehungsgehalt Familienarbeit wirklich für Väter interessanter? Gertrud Martin warf nur ein: "Welcher Mann würde schon diesen Job tun?" Eine weitere Idee aus dem Auditorium war, das Erziehungsgehalt als Lohnersatzleistungen wie bei Arbeitslosigkeit zu zahlen. Woraufhin Uwe Schummer entgegnete, dann sei ja die Erziehung eines Arbeiterkinds weniger wert als die eines Unternehmerkinds. Elisabeth Bußmann verwies noch einmal nachdrücklich darauf, daß Familien an sich leise sind, und keine Lobby in Bonn haben. Und fragte nach: Wieso werden die in der Familienarbeit erworbenen Schlüsselqualifikationen nicht schon jetzt genutzt, und warum soll das Erziehungsgehalt daran etwas ändern? Auf die Frage an Elisabeth Bußmann, warum ihrer Meinung nach das Erziehungsgehalt die partnerschaftliche Zusammenarbeit unterlaufe und was die Alternativen wären, weist sie nochmals auf die familienpolitischen Einzelmaßnahmen hin, die auszubauen sind. Die Frage, ob eine konsequente Familienförderung den Frauen mehr Freiheiten und Möglichkeiten als die bisherige Frauenpolitik bringt, bejaht Gertrud Martin mit Nachdruck . Am Schluß brachte ein Teilnehmer die grundsätzlichen Fragen noch einmal auf den Punkt: Was soll das Familiengehalt leisten? Soll es eine finanzielle Hilfe für Familien sein? Soll es helfen, eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit zu erreichen? Soll es zu einer Besserstellung der Frauen in der Wirtschaft führen? Oder soll es ein Allheilmittel für die Probleme der Familien sein? Ideen und Anregungen gab es bei dieser Podiumsdiskussion genug, konkrete Antworten und Vorschläge weniger. Insgesamt fand die Veranstaltung bei den Zuhörern eine positive Ressonanz, auch wenn einige meinten, es sei zu viel politische Werbung gemacht worden. Viele kritisierten den Veranstaltungsort Turnhalle wegen der zu lauten Hintergrundgeräusche, was das Zuhören sehr anstrengend machte.
|
Zurück zur Hauptseite der Initative Familie und Beruf |